links for 2009-10-30

  • Kein Wunder, dass die Politikverdrossenheit hoch ist: Die reden alle immer so viel im Nationalrat, oft braucht es gar länger als mehrere Tage, bis etwas Vorzeigbares zustande kommt. Lässt sich das mit der Audimaxbesetzung vergleichen? Freilich. Das Plenum wählt Ausschüsse, weist ihnen Agenden zu, die Ausschüsse diskutieren, schlagen Beschlüsse vor, das Plenum beschließt oder verweist in die Ausschüsse zurück und immer so weiter; gefühlt endlos, bis dann eines schönen Tages ein Ergebnis erzielt wird. Das, was man die letzten Tage live aus dem Audimax mitverfolgen konnte, findet ein paar Häuser weiter im Parlament in ähnlicher Form schon länger statt – wenn auch nicht ansatzweise so transparent in Echtzeit nachvollziehbar. Das Prozedere nennt sich hüben wie drüben Demokratie.
  • Almost all of the traffic is in German, of course, but I’ve found that adding the word “Austria” or the word “students” to a search turns up a fair number of English-language posts. – Die Sprache hat inzwischen an Relevanz gewonnen.
  • Die Studierenden im besetzten Wiener Audimax und an den anderen Unis haben sich entschieden. Sie wollen eine Universität, die für alle offen ist, an der alle bei guten Bedingungen studieren können was sie wollen und die ihren Angestellten faire Aufstiegschancen und vernünftige Arbeitsbedingungen bietet. Dass das schon als Utopie daherkommt, sagt mehr über den wahren Zustand der österreichischen Unis als jede Meldung über überfüllte Hörsäle, Drop-Out-Quoten und Unirankings.
  • Ich halte es für wichtig mehr Menschen zu erreichen. In immer mehr Unis werden Hörsäle besetzt. Es gibt alle möglichen Solidaritätsbekundungen und ich wurde schon mehrmals gefragt, was noch gebraucht wird, ob es schon ein Spendenkonto gibt. Die Unterstützung wächst und daran muss man arbeiten. Kritiker ins Audimax einladen. Ihnen eine Plattform bieten, sich dazu zu äußern. Offen damit umgehen. Materiell sowie virtuell. Meinungen akzeptieren, Kompromisse finden. Gemeinsame Ziele definieren.
  • Ich habe es aufgegeben, bei Publizistikstudenten vorzutragen. Derartiges Desinteresse und derartige Medienfremdheit ist nicht heilbar. So viel zur aktuellen Studentenrevolte in Österreich. (Warum zahle ich für dieses Chaos mit meinen Steuern?) Zweitens: Warum kamen bei 90 Prozent Frauen alle vier Publikumsfragen von Männern? Weil Männer Selbstdarsteller sind und Publikumsfragen ohnehin immer irrelevant? Jedenfalls die beste weil einzige Erklärung. – Christian Rainer – Profil. Soviel zu österreichs Medienlandschaft …
  • Die rechtspopulistische FPÖ hat eine neue Idee: ein Heimatschutzgesetz! Diese dummdreiste Idee könnte doch glatt aus dem rechtsrechten Lager sowie aus klerikal-fundamentalistischen Kreisen stammen. In der gestrigen Landtagssitzung ist die FPÖ mit dieser Forderung aufgetreten, um das Wappen und das Kreuz (!!) vor Entehrung zu schützen und diesen Symbolen den gebührenden (?) Respekt zukommen zu lassen.
  • In der Abhandlung „Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland“ überbietet Heine Saint-Justs Formel mit einer eigenen Variante: „Das große Wort der Revolution, das Saint-Just ausgesprochen: Le pain est le droit du peuple, lautet bei uns: Le pain est le droit divin de l’homme. Wir kämpfen nicht für die Menschenrechte des Volks, sondern für die Gottesrechte des Menschen.“ Heine spricht hier im Namen der „Pantheisten“ und spottet über die jakobinischen Kohlrabi-Apostel: „Wir wollen keine Sansculotten sein, keine frugalen Bürger, keine wohlfeilen Präsidenten: wir stiften eine Demokratie gleichherrlicher, gleichheiliger, gleichbeseligter Götter.“
  • Schon Heinrich Heine hatte in einem Anfall von Großmütigkeit gesagt, das größte Wort, das in der Französischen Revolution gesprochen wurde, sei das Wort St. Justs gewesen, nämlich, das alltägliche Brot sei das Recht des Volkes. Das war die Forderung nach einem jedem – ob arbeitend oder nicht – zustehenden Grundgehalt. Der dann doch zu seriöse Robespierre schickte den eigentlichen Anwalt dieser den Plebs hofierenden Idee schließlich auf die Guillotine. Heinrich Heine hatte die kokette Erinnerung an den Satz „Le pain est le droit du peuple“ auch nur gefasst, weil er einerseits erhabene Sätze liebte, andererseits seinem Freiheitsinstinkt vor solcher Egalität grauste. Aber die Frankfurter sind nicht Heinrich Heine, und vermutlich verstehen sie auch dessen alles andere als nur politische Ironie nicht.
  • Diese geradezu verhängnisvoll schöne Frau mit den eiskalten blauen Augen und dem festen, zuweilen arrogant-starren Blick war die erste und bis heute vielleicht auch Einzige, die nicht nur nicht unter die Räder kam (wie Nico von Velvet Underground), eine äußerst dominante Figur, die fast mit der kompletten Besetzung ihrer Band „Jefferson Airplane“ Affären hatte (mit einem sogar ein Kind, das sie, exaltiert, wie sie war, China taufte) und die das Geld, das sie in den ersten Jefferson-Airplane-Jahren reichlich und mühelos verdiente, mit vollen Händen ausgab. Grace Slick brüskierte die gutbürgerliche Welt, der sie entstammte, bisweilen drastisch, wobei die barbusigen Fotoposen noch zu ihren harmloseren Manövern zählten.
  • Die FPÖ forderte ein eigenes Heimatschutzgesetz, unter anderem mit dem Delikt “Anpassungsverweigerung”. FPÖ-Obmann Johann Tschürtz sagt dazu im Gespräch mit derStandard.at: “Damit sollen Heimat und Kultur geehrt werden, wie Respekt vor dem Staatswappen oder dem Kreuz. Bei Nicht-Einhalten kann ich mir Verwaltungsstrafen von Abmahnung bis Geldzahlungen vorstellen.” Als Beispiel nennt er die Angelobung von Rekruten: “Wenn sich da einer von der Fahne wegdreht, sollte man das ahnden.” – Jetzt spinnen sie total!

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1 Kommentar »

  1. [...] Liberté vor Egalité (… und daran seid ihr selber schuld!) [...]

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Ja, gleich!

Ja, gleich!

Davor ist danach

Ein Spaziergang am 2. Jänner über den Wienerberg war ein Spießrutenlauf durch Berge von Leichen an Knallern und Raketenhülsen. Es ist unglaublich, wie rücksichtslos mit dem Gut des Allgemeinen umgegangen wird bzw. wenn es denn getan wird, kümmert sich niemand um die Beseitigung der “collateral damages”.

Bezeichnend für das Malheur unserer Gesellschaft war, dass der 20 m entfernte Golfplatz, sich sauber wie eh und je präsentierte. Das ist die wirkliche Krankheit unserer Gegenwart: Mangel an Solidarität und Solidarität mit den Falschen.

Da wird der Raum der Öffentlichkeit, UNSER Raum ohne Wimpernzucken verdreckt und zugemüllt und auf Privatbesitz wird Rücksicht genommen, weil hier strafrechtliche Konsequenzen zu erwarten sind. Was ist das für eine Einstellung? Wenn schon Arsch, dann ordentlich und wenn schon Rücksicht, dann auf das Eigentum von allen und nicht einigen Wenigen.

Jahresrückblick 2009

Jahresrückblick 2009

2010 – Die guten Vorsätze.

Wenn man die Welt verändern will, muss man bei sich selber beginnen:

  • Informationsbeschaffung auf Papier
  • Email 1 x täglich
  • Ein Buch statt facebook
  • Kein Projekt ohne Geld
  • Kein SMS via Handy (mein Vertrag ist zu teuer)
  • Kein Chat, sondern ein Telefonat
  • Kein Tweet, sondern ein gemeinsames kühles Bier.
  • CD’s als Gesamtkunstwerke betrachten.

MfG

Das bedingungslose Grundeinkommen (kurz: BGE) scheint, zu DER gesellschaftspolitischen Utopie des 21. Jhdts. zu werden. Die Idee ist auch mir recht sympathisch, aber wenn man ein bisschen die Geschichte des letzten Jahrhunderts reflektiert, sollte man sehr skeptisch werden:

Im Deutschland der 30er Jahre waren es die Nationalsozialisten und nicht die Kommunisten, die WählerInnen mit einem Ende der Arbeitslosigkeit und Not locken konnten und das BGE ist “an sich” überhaupt KEIN Garant für eine gute und gerechte Politik.

Wie sieht es z.B. mit der Migration aus? An was ist das BGE gebunden? Ist des die Staatsbürgerschaft? Ja? Wie will man dann die Grenzen abschotten? Wer schießt? Nein. Wenn wir nicht zuerst unseren Lebensstandard als globales System erkennen und entsprechend abändern, wird sich durch ein BGE auf dieser Welt überhaupt NICHTS ändern. Zunächst müssen einmal alle Menschen auf der Welt herausfinden, welcher Lebensstandard für alle auch funktionieren würde. Ein afrikanischer kann es nicht sein, oder? Ein amerikanischer oder gar europäischer soll es sein, aber ist dies wirklich notwendig?

Es ist gut. Im Zuge des BGE stellen sich viele Fragen, die dringend geklärt werden müssen. Das ist ja sinnvoll. Aber wir müssen immer einen Blick nach rückwärts richten. Ein neuerlicher Sieg der Rechten ist – und davon bin ich überzeugt – WIEDER die Schuld einer inkompetenten und zerstrittenen, dadurch handlungsunfähigen, Linken. Ich bin immer noch sauer.

#80

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Parkour Motion Reel

Das Maß der Dinge.

Ich werde meine Kommunikation von facebook wieder auf meinen Email-Account bzw. auf meinen RSS-Reader übertragen.

Durch den Umstand, dass facebook keinen Datenexport erlaubt und eine hohe Gefährung für die Freiheit der Bits darstellt, habe ich mich dazu entschlossen, meinen Account zu löschen und meine Daten wieder vollkommen unter meine eigenen Fittiche zu nehmen.

Da die Virtualität unseres Lebens einen immer höheren Stellenwert bekommt, ist die Frage, wer Macht über unsere Daten erhält eine essentiell politische. Facebook erlaubt keinen “guten Content im falschen System” und daher muss ich es leider boykottieren.

Meine lieben FreundInnen finden mich weiterhin hier, auf Twitter oder können mir einfach ein Email schreiben.

World Data Rescue Karlingrad.

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Song of the Week #8

Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.

Alva Noto & Ryuichi Sakamoto – Aurora

Genau das Richtige für diese Zeit. Enjoy!

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8. Dezember 1994: Der Todestag des brasilianischen Musikers Antônio Carlos Jobim

Musikgeschichte: Wie war das eigentlich mit der Erfindung von "Bossa Nova"? Hier ein sehr interessanter Beitrag dazu. Aber Vorsicht: Erliegt mir nicht dem diskreten Charme der Bourgeoisie!

Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.

Autorin: Susanne Rabsahl © WDR 2009

#72

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Religionsfreiheit?

Nutzen wir die ganze unseelige Debatte um Minarette, Kruzifixe und Kopftücher doch dazu aus, endlich das Konkordat zu stürzen und den Laizismus einzuführen. Religion ist, wenn sie denn überhaupt noch eine Existenzberechtigung hat, Privatangelegenheit und soll in der Öffentlichkeit keine Definitionsmacht mehr besitzen. Es ist auch eine gute österreichische Tradition, Religion aus den warmen Stuben der Macht zu kehren. Sogar Habsburger (Joseph II.) hatten kurz einmal einen Funken von Vernunft.

Weg mit den öffentlichen Bezeugungen der religiösen Anschauung und her mit Emanzipation und Universalismus. Weg mit den religiösen Symbolen aus öffentlichen Gebäuden und Denken und keine weitere Subventionierung des Kultes. Verbot von Mission und Belästigung im öffentlichen Raum.

Religionsfreiheit ist so 20. Jhdt. Machen wir endlich Nägel mit Köpfen.

#71

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